Dr. Daniel Holmer, Die GRÜNEN
1. Welche Vision haben Sie für Gröbenzell im Jahr 2036 – wie soll unsere Gemeinde in 10 Jahren aussehen?
Ich sehe Gröbenzell auch in zehn Jahren als lebendige Gemeinde und attraktiven Wohnort für Familien sowie Menschen aller Generationen. Das Ortszentrum bietet mehr Aufenthaltsqualität und Grünflächen, ergänzt durch Angebote zur Abendgestaltung wie Restaurants oder Bars. Diese sollten jedoch aus Gründen des Lärmschutzes so verortet sein, dass ruhesuchende Bürger*innen nicht beeinträchtigt werden.
Die Querungen der Staatsstraße für Fuß- und Radverkehr sind deutlich verbessert, ebenso die überörtlichen Radwege, wodurch die Verkehrssicherheit spürbar gestiegen ist. Eine deutliche Reduzierung des Durchgangsstaus wäre zwar wünschenswert, erscheint jedoch realistisch betrachtet auch langfristig schwierig.
Der Sport- und Bildungscampus am Freizeitheim konnte erweitert und saniert werden. Durch den Neubau einer Kindertagesstätte stehen den Vereinen wieder die Räume im Freizeitheim zur Verfügung, die über Jahrzehnte durch das Wichtelhaus belegt waren.
Im Ortszentrum (P&R an der Post, Grundstück gegenüber der evangelischen Kirche) sowie an der Wildmoosstraße wurden bislang als Parkplätze genutzte Flächen neuen Nutzungen zugeführt. Möglich wurde dies durch mehrstöckige Parkanlagen, die den Flächenverbrauch für ebenerdiges Parken reduzieren.
Das Feuerwehrhaus und die Bernhard-Rößner-Schule sind saniert oder befinden sich in der finalen Bauphase.
Durch Sanierungsmaßnahmen und energetische Investitionen ist Gröbenzell auf einem guten Weg, die kommunalen Klimaemissionen deutlich zu senken. Gleichzeitig ist klar, dass auch in zehn Jahren noch erhebliche Herausforderungen in diesem Bereich bestehen werden.
2. Angesichts steigender Mieten und wachsendem Siedlungsdruck: Wie wollen Sie den Gartenstadtcharakter bewahren und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen?
Notwendig ist aus meiner Sicht, gemeindliche Grundstücke mit bestehendem Baurecht zeitgemäß zu nutzen – insbesondere für bezahlbaren Wohnraum für Familien, alleinstehende Mitarbeitende der Gemeinde sowie Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Bei privaten Grundstücken sollte der Fokus stärker auf flächensparendem Bauen liegen. Der derzeitige Fehlanreiz, möglichst große Grundflächen zu versiegeln, ergibt sich daraus, dass Wohnfläche im Dachgeschoss meist nicht auf die GFZ angerechnet wird. Diesen Effekt wollen wir durch einen Bonus für flächensparendes Bauen ausgleichen – ein Ansatz, der bislang leider keine Mehrheit gefunden hat.
Darüber hinaus sollte sich die Gemeinde stärker dafür einsetzen, leerstehenden Wohnraum zumindest befristet nutzbar zu machen. Dauerhafter Leerstand ist weder sozial noch ökologisch sinnvoll.
3. Welche Rolle sollen Nachverdichtung und grüne Infrastruktur (z. B. Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung) in der Ortsentwicklung spielen?
Das gemeindliche Entsiegelungsprogramm ist ein innovativer Ansatz, bislang jedoch zu wenig bekannt und genutzt. Gerade asphaltierte Flächen könnten häufiger durch Rasengittersteine ersetzt werden.
Der Grundsatzbeschluss des Gemeinderates aus den frühen 1990er-Jahren, kein neues Baurecht für private Bauinteressen zu schaffen, steht für mich nicht zur Diskussion und in meiner Wahrnehmung auch nicht für den Rest des Gemeinderates. Nachverdichtung soll grundsätzlich im Rahmen des bestehenden Baurechts erfolgen.
Ökologische Infrastruktur – etwa Dach- und Fassadenbegrünung oder Entsiegelung – sollte bei der Neuaufstellung von Bebauungsplänen konsequent mitgedacht werden.
4. Wie wollen Sie verhindern, dass sich der Trend der Schottergärten verfestigt?
Die Gemeinde sollte verstärkt über sinnvolle, naturnahe Gartengestaltung informieren. Die bestehende Freiflächengestaltungssatzung hat sich in den vergangenen Jahren als wenig wirksam erwiesen, da das Landratsamt seiner Kontrollfunktion nicht ausreichend nachkommt. Hier sollte dringend auf Landkreisebene nachgeschärft werden. Ergänzend könnten örtliche Gartenbauunternehmen stärker in die Informationsarbeit eingebunden werden.
5. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Gröbenzell bis 2035 klimaneutral zu machen?
Zentral ist für mich der längst überfällige Start der kommunalen Wärmeplanung. In Abhängigkeit von der Machbarkeitsprüfung einer Großwärmepumpe am Freizeitheim muss das Gebäude dringend energetisch ertüchtigt werden und die über 40 Jahre alte Heizung ausgetauscht auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden.
Photovoltaikanlagen auf gemeindlichen Gebäuden sollten zum Regelfall werden. Darüber hinaus kann die Gemeinde als Türöffner für Freiflächen-Photovoltaik entlang der Bahngleise fungieren – auch über das Baurecht.
Zur Windkraft verweise ich auf Frage 6, zur Mobilität auf Frage 11.
Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED wurde nach langem Warten auf unsere Initiative hin in den letzten Monaten umgesetzt.
6. Soll Gröbenzell sich an Windkraftprojekten im Landkreis beteiligen?
Windkraftanlagen auf Gröbenzeller Flur oder in unmittelbarer Nähe sind aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht realistisch.
Ob eine rein finanzielle Beteiligung an Projekten im Landkreis möglich und sinnvoll ist, muss jeweils im Einzelfall geprüft werden. Idealerweise erfolgt diese über Bürgerenergiegenossenschaften. Ergänzend sollte auch eine direkte Beteiligung der Bürger*innen erleichtert werden, etwa durch Informationsveranstaltungen in gemeindlichen Räumen.
7. Wie wollen Sie die energetische Sanierung von kommunalen Bestandsgebäuden stärker fördern (z.B. durch kommunale Anreize, Beratung, Kooperation mit KommEnergie)?
Eine Vereinheitlichung der Bebauungspläne sowie eine klare Informations- und Beratungsstrategie der Gemeinde sollen es privaten Eigentümer*innen erleichtern, energetisch zu sanieren.
Die KommEnergie sowie die Energieagentur des Landkreises (Klimahoch3) könnten hierbei als kompetente Partner fungieren.
8. Sehen Sie Potenzial für eine verkehrsberuhigte Ortsmitte (Bahnhofstraße/Kirchenstraße) und wenn ja, wie soll diese gestaltet werden?
Einen verkehrsberuhigten Bereich mit Tempo 7 halte ich für unrealistisch, genauso wie Varianten mit verändertem Verkehrsfluss. Ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 20 hingegen könnte unter bestimmten Voraussetzungendie Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen.
Ein verschwenkter Straßenverlauf in der Kirchenstraße sowie eine klare Trennung von Fuß- und Radverkehr von am S-Bahnhof wartenden Fahrzeugen sollten berücksichtigt werden. Kiss-&-Ride-Plätze müssen so gestaltet sein, dass sie schwächere Verkehrsteilnehmer*innen nicht gefährden.
Wichtig sind konsumfreie Aufenthaltsflächen sowie idealerweise ein kleiner Kinderspielplatz in der Kirchenstraße.
Ergänzend sollte bei der Neuvergabe der Buslinie 832 im Jahr 2029 eine Anbindung der Kirchenstraße mitgedacht werden, um den Individualverkehr zu reduzieren und dennoch eine Erreichbarkeit des Ortszentrums für alle Bürger*innen sicherzustellen.
9. Wie stehen Sie zu einer Beleuchtung des Fahrradweges nach Olching? Würden Sie hier Gespräche mit der Stadt Olching aufnehmen?
Eine Beleuchtung des Radwegs ist seit vielen Jahren ein wünschenswertes, bislang jedoch leider nicht mehrheitsfähiges Projekt. Moderne solarbetriebene Leuchten könnten dies zumindest im Gröbenzeller Ortsbereich finanzierbar machen.
Insbesondere im Bereich des Abzweigs zum kleinen Olchinger See würde die Sicherheit deutlich erhöht. Gespräche mit der Stadt Olching sollten daher unbedingt aufgenommen werden.
10. Befürworten Sie die Einführung von Parkraummanagement (z. B. Anwohnerparken, Kurzzeitparkzonen) zur Reduzierung des Straßenparkens?
Ob Anwohnerparken oder Kurzzeitparken in Wohngebieten rechtlich zulässig ist, erscheint mir derzeit unsicher.
Im Ortszentrum hingegen ist die Parkdauer aus meiner Sicht zu lang. Eine Verkürzung der Parkdauer – zumindest eines Teils der Parkplätze – würde insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugutekommen, die auf kurze Wege zu Arztpraxen angewiesen sind.
11. Welche Rolle sollen Elektromobilität, Carsharing und öffentlicher Nahverkehr in der zukünftigen Mobilitätsstrategie spielen?
Wohnortnahe Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge sowie – sofern wirtschaftlich darstellbar – Carsharingangebote sind zentrale Bausteine der zukünftigen Mobilität. Private Initiativen zum Ausbau der Ladeinfrastruktur sollten unterstützt und nicht behindert werden. Die Gemeinde kann durch Standortsteuerung dazu beitragen, bislang unterversorgte Wohngebiete einzubeziehen.
Zudem halte ich die Wiedereinführung der Nordschleife der Buslinie 832 sowie eine Ausweitung der Fahrzeiten, insbesondere am Wochenende, für wichtig.
12. Welche Möglichkeiten zur Ertüchtigung der Fahrradunterführung am großen
Ascherbach/Fischerweg sehen Sie?
Eine moderne, barrierefreie Fahrradunterführung halte ich leider angesichts der Kosten durch die Beteiligung der Deutschen Bahn für nicht realisierbar.
Ein realistisches Ziel wäre eine Unterführung, durch die zumindest mit dem Fahrrad geschoben werden kann. Eine suboptimale, aber funktionale Lösung ist besser, als diese wichtige Verbindung weiterhin zu vernachlässigen.
13. Planen Sie ein Konzept, welches es vor allem Kindern, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen ermöglicht, sich gefahrlos im öffentlichen Verkehr und Straßenraum zu bewegen?
Die Wiederbelebung des Schulwegeplans sowie das konsequente Mitdenken langsamer Verkehrsteilnehmer*innen können die Verkehrssicherheit deutlich verbessern.
Regelmäßige Abstimmungen mit Senioren-, Inklusions- und Elternbeiräten sind dabei essenziell.
14. Wie wollen Sie die Baumschutzverordnung weiterentwickeln und konsequent umsetzen? Die Landeshauptstadt München plant ja gerade eine Reform, die durchaus als Vorbild für eine weitere Verbesserung des Baumschutzes dienen kann.
Viele der von München beschlossenen Neuerungen sind in Gröbenzell bereits umgesetzt. Die Baumschutzverordnung sowie die in Bebauungsplänen festgesetzten Bäume bieten einen guten Schutz, was sich auch im Ortsbild zeigt.
Eine Reform halte ich derzeit nicht für notwendig, die aktuelle Fassung entspricht einem Antrag unserer Fraktion. Gleichwohl sollten die Erfahrungen Münchens aufmerksam beobachtet werden, um bei Bedarf nachzusteuern.
Ein zentrales Problem bleibt die Durchsetzung – trotz äußerst engagierter gemeindlicher Mitarbeitender: Immer wieder verschwinden geschützte Bäume, ohne dass die Ursachen geklärt werden.
15. Welche Schritte wollen Sie zur Renaturierung der Bäche und Gräben in Gröbenzell unternehmen, um Hochwasserschutz und Biodiversität zu verbessern?
Eine regelmäßige, fachlich fundierte und behutsame Pflege ist essenziell. Maßnahmen wie Ausbaggern mit schwerem Gerät sind meist wirkungslos oder sogar ökologisch und aus Sicht des Hochwasserschutzes schädlich.
Besonders wichtig ist die Schaffung von Renaturierungs- und Überschwemmungsflächen im Oberlauf des Gröbenbachs, etwa auf der Gröbenbachwiese oder weiter südlich auf Puchheimer Flur im Bereich des Böhmerweihers.
Im Ortszentrum sollte das bestehende Beaver-Schlauchsystem erweitert werden. Auch innerorts könnten einzelne unbebaute Grundstücke so modelliert werden, um zusätzliche Wassermengen aufnehmen.
16. Wir hatten in den 2000er Jahren einen Naturlehrpfad in dem Wäldchen hinter der
Gröbenbachschule. Da Gröbenzell nicht über viele naturnahe Gebiete verfügt, wäre ein neuer Naturlehrpfad eine gute Lösung. Wie stehen Sie dazu?
Ein Naturlehrpfad sollte unbedingt wiederbelebt werden, möglicherweise auch an anderer Stelle. Unsere Fraktion hatte für dieses Wäldchen in dieser Legislaturperiode zudem die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets beantragt, was leider keine Mehrheit fand.
17. Soll die Gemeinde den Flächenverbrauch aktiv begrenzen, etwa durch ein kommunales Entsiegelungsprogramm?
Ja – siehe Antwort zu Frage 3.
18. Wie wollen Sie die Abfallvermeidung in Gröbenzell fördern (z. B. Mehrwegangebote, Repair-Cafés, Unverpackt-Konzepte, vermehrte Aufklärung)?
Der kommunale Einfluss ist durch das Scheitern der Einwegverpackungssteuer nahezu nicht vorhanden. Dennoch sollten weiche Maßnahmen wie Repair-Cafés oder Mehrwegangebote durch Unterstützung des Ehrenamts und die Bereitstellung gemeindlicher Räume gefördert werden.
Im Rahmen der Wirtschaftsförderung könnte ein Konzept für einen Unverpacktladen im Ortszentrum entwickelt werden.
Auf Landkreisebene möchte ich mich für zusätzliche wohnortnahe oder mobile Sammelangebote (z. B. für Kunststoffe) einsetzen, insbesondere zur Entlastung älterer Bürger*innen. Auch ein zusätzliches Sammelangebot für Grünschnitt am späten Samstagnachmittag wäre sinnvoll, wie es heute bereits in Olching existiert.
19. Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche stärker in Natur- und Umweltbildung einbinden (z. B. Naturlehrpfad, Grünes Klassenzimmer, Kooperation mit Schulen)?
Die Kinder- und Jugendgruppe des BN leistet hier wertvolle Arbeit.
Wichtig ist mir aber auch die Gröbenzeller Grundschulen im Rahmen der Lehrpläne stärker zu unterstützen.
Zum Naturlehrpfad verweise ich auf Frage 16.
20. Wie wollen Sie Gröbenzell als Fairtrade-Gemeinde weiterentwickeln?
Um Gröbenzell als Fairtrade-Gemeinde wieder zu beleben, braucht es eine handlungsfähige Steuerungsgruppe. In der aktuellen Form ist der Mehrwert begrenzt.
Die Agenda 21 könnte hier wieder eine zentrale Rolle übernehmen, ist jedoch auf ehrenamtliches Engagement angewiesen. Dieses sollte insgesamt stärker wertgeschätzt werden – das Fairtrade-Beispiel zeigt deutlich, was passiert, wenn dies nicht der Fall ist.
21. Wie stellen Sie sich eine stärkere Bürgerbeteiligung in Umweltfragen vor (z. B. digitale Beteiligung, Bürgerwerkstätten)?
Ich sehe großes Potenzial in einer stärkeren Bürgerbeteiligung. Bürgerräte, wie sie vom BN diskutiert wurden, sind ein geeigneter Ansatz.
Als ersten Schritt halte ich ein Bürgerbudget für sinnvoll, das auch für Umwelt- und Klimaschutzprojekte eingesetzt werden kann.
22. Befürworten Sie den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen?
Bio- und regionale Lebensmittel befürworte ich ausdrücklich. Gleichzeitig spielen Preis, Akzeptanz und Geschmack – insbesondere bei Kindern – eine wichtige Rolle.
Hier besteht ein Spannungsfeld zwischen gesunder Ernährung und der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Entscheidend ist ein sinnvoller Kompromiss.
Bei klaren Vorgaben ist eine regelmäßige Evaluation notwendig, um sowohl den Caterer als auch Kinder und Eltern angemessen einzubeziehen.

