Alisa Riechmann, FDP

  1. Welche Vision haben Sie für Gröbenzell im Jahr 2036 – wie soll unsere Gemeinde in 10 Jahren aussehen? 

Ich gehe davon aus, dass Gröbenzell bis 2036 weiter wächst – schon allein wegen der Nähe zu München und der anhaltenden Nachfrage nach Wohnraum im Umland. Diese Entwicklung möchte ich aktiv gestalten: Gröbenzell soll bezahlbar bleiben, gerade für Familien, junge Menschen und diejenigen, die hier aufgewachsen sind. Den dörflichen Charakter und das „Gartenstadtgefühl“ möchte ich so gut wie möglich bewahren – aber ich bin realistisch: Bei knapp 20.000 Einwohnern und weiterem Zuzug wird Gröbenzell sich verändern. Entscheidend ist, wie: mit Qualität, klaren Regeln und einem echten Blick auf das Machbare.

Meine Vision ist ein Gröbenzell, in dem Neubürger und Alteingesessene auch in Zukunft frei, selbstbestimmt und gerne leben: mit kurzen Wegen, guten Bildungs- und Betreuungsangeboten, verlässlicher Infrastruktur und einer Verwaltung, die digitaler, schneller und serviceorientierter arbeitet.

Ein zentraler Punkt sind die kommunalen Finanzen: Gröbenzell muss handlungsfähig bleiben – nicht nur für Pflichtaufgaben, sondern auch für Investitionen in Schulen, Betreuung, Infrastruktur und Ortsentwicklung. Dafür will ich die Gewerbeentwicklung in den nächsten zehn Jahren massiv stärken: mehr wirtschaftliche Dynamik, bessere Rahmenbedingungen für bestehende Betriebe, gezielte Ansiedlung neuer Unternehmen und eine aktive Flächen- und Standortpolitik. Mehr und stärkeres Gewerbe bedeutet auch: stabilere Einnahmen, weniger einseitige Abhängigkeit und mehr Gestaltungsspielraum für die Gemeinde – ohne die Lebensqualität aufs Spiel zu setzen.

  1. Angesichts steigender Mieten und wachsendem Siedlungsdruck: Wie wollen Sie den Gartenstadtcharakter bewahren und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen? 

Gröbenzell wird weiter wachsen – und muss weiter wachsen. Die Nähe zu München und die hohe Nachfrage nach Wohnraum führen dazu, dass der Ort in den kommenden Jahren städtischer wird. Diese Entwicklung lässt sich nicht verhindern, sondern nur sinnvoll steuern. Ziel ist für mich, Wachstum so zu gestalten, dass Gröbenzell lebenswert und bezahlbar bleibt.

Dabei müssen wir ehrlich sein: Gröbenzell verfügt kaum über eigene Freiflächen, die für neue Baugebiete zur Verfügung stehen. Viele der umliegenden Wiesen gehören Nachbargemeinden oder privaten Eigentümern und stehen der Gemeinde nicht einfach zur Entwicklung zur Verfügung. Großflächige Neubaugebiete „auf der grünen Wiese“ sind daher weder realistisch noch wünschenswert.

Bezahlbarer Wohnraum kann deshalb vor allem durch klug gesteuerte Nachverdichtung entstehen: durch Aufstockungen, Umnutzungen, die bessere Ausnutzung bereits bebauter Grundstücke und moderne Wohnkonzepte. Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Gartenstadtcharakter Gröbenzells zu bewahren – also Durchgrünung, Freiräume, Bäume und eine maßvolle Einbindung neuer Bebauung verbindlich mitzudenken.

Dazu braucht es klare städtebauliche Leitplanken, verlässliche Bebauungspläne und Planungssicherheit für Eigentümerinnen und Eigentümer. Liberal heißt für mich: nicht jedes Projekt im Einzelfall neu auszuhandeln, sondern transparente Regeln zu schaffen, die Qualität sichern und Verfahren beschleunigen.

So kann Gröbenzell weiter wachsen, ohne seinen Charakter zu verlieren – und gleichzeitig Wohnraum schaffen, der auch für kommende Generationen bezahlbar bleibt.

  1. Welche Rolle sollen Nachverdichtung und grüne Infrastruktur (z. B. Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung) in der Ortsentwicklung spielen? 

Da Gröbenzell kaum über eigene Freiflächen verfügt und gleichzeitig weiter wachsen wird, ist Nachverdichtung kein politisches Wunschprojekt, sondern eine Notwendigkeit. Entscheidend ist für mich nicht das „Ob“, sondern das Wie. Nachverdichtung darf nicht zulasten von Lebensqualität gehen, sondern muss mit klaren Qualitätsstandards verbunden werden.

Genau hier spielt grüne Infrastruktur eine zentrale Rolle. Wenn dichter gebaut wird, müssen Ausgleich und Anpassung mitgedacht werden: durch Entsiegelung, durchlässige Flächen, Baumpflanzungen sowie – wo sinnvoll und wirksam – Dach- und Fassadenbegrünung. Diese Maßnahmen dienen nicht nur dem Klima- und Hitzeschutz, sondern auch der Aufenthaltsqualität im Ort.

  1.  Wie wollen Sie verhindern, dass sich der Trend der Schottergärten verfestigt?

Schottergärten sind in Gröbenzell seit 2025 nicht mehr zulässig. Mit der Freiflächengestaltungssatzung hat die Gemeinde eine klare und rechtssichere Regelung geschaffen, die für Neubauvorhaben und genehmigungspflichtige Änderungen gilt und dauerhaft einzuhalten ist. Diese Entscheidung halte ich grundsätzlich für richtig, weil sie einen fairen Rahmen für alle setzt und zur Durchgrünung sowie zur Anpassung an Hitze- und Starkregenereignisse beiträgt.

Grundsätzlich bin ich bei solchen Trends jedoch zurückhaltend, wenn es um Verbote geht. Als Liberale ist mir wichtig, dass Menschen möglichst frei entscheiden können, wie sie ihre Gärten und Häuser gestalten. Nachhaltige Entwicklung gelingt aus meiner Sicht vor allem durch Aufklärung, Information und Überzeugung, nicht durch pauschale Eingriffe in private Lebensbereiche. Wo es rechtliche Vorgaben gibt, sollen sie klar, verständlich und verhältnismäßig sein. Darüber hinaus setze ich auf Beratung, gute Beispiele und niedrigschwellige Unterstützung, damit sich Eigentümerinnen und Eigentümer bewusst für begrünte, pflegeleichte Lösungen entscheiden – aus Überzeugung und nicht aus Zwang.

  1. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Gröbenzell bis 2035 klimaneutral zu machen? 

Das Ziel der Klimaneutralität ist richtig und notwendig. Gleichzeitig ist mir wichtig, realistisch zu bleiben: Gröbenzell kann als Kommune nicht alles allein steuern, und nicht jede Maßnahme liegt im direkten Einflussbereich der Gemeinde. Entscheidend ist daher ein pragmatischer, finanzierbarer und wirkungsorientierter Ansatz.

Für mich stehen drei Bereiche im Vordergrund:

  • Erstens der Energie- und Wärmebereich. Hier braucht es eine verlässliche Grundlage durch kommunale Planungen, die aufzeigen, welche Lösungen wo sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar sind – etwa individuelle Heizlösungen, Quartiersansätze oder Kooperationen. Die Aufgabe der Gemeinde sehe ich vor allem darin, Orientierung, Beratung und Koordination zu leisten, nicht darin, den Bürgerinnen und Bürgern bestimmte Technologien vorzuschreiben.
  • Zweitens die kommunalen Gebäude und Liegenschaften. Dort, wo die Gemeinde selbst Verantwortung trägt, sollte sie mit gutem Beispiel vorangehen: durch energetische Sanierung, effiziente Technik und den Ausbau erneuerbarer Energien, wenn dies wirtschaftlich vertretbar ist. Das senkt langfristig Kosten und entlastet den Haushalt.
  • Drittens die Mobilität. Klimaschutz gelingt hier vor allem dann, wenn klimafreundliche Alternativen attraktiv, zuverlässig und alltagstauglich sind. Gute Rad- und Fußwege, ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr und ergänzende Angebote wie Sharing-Modelle schaffen Wahlfreiheit – statt Menschen durch Einschränkungen zu bevormunden.
  1. Soll Gröbenzell sich an Windkraftprojekten im Landkreis beteiligen? 

Ich stehe dem Thema Windkraft grundsätzlich offen, halte eine pauschale Festlegung für Gröbenzell zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht für sinnvoll. Windenergie kann einen wichtigen Beitrag zur regionalen Energieversorgung leisten – gleichzeitig ist die Wirtschaftlichkeit hier ein ausschlaggebendes Kriterium. Eine Beteiligung der Gemeinde kommt nur dann infrage, wenn sie langfristig finanziell tragfähig ist, einen klaren Mehrwert für den Gemeindehaushalt bietet und keine unkalkulierbaren Risiken nach sich zieht. Kommunale Investitionen müssen sich rechnen – gerade in Zeiten angespannter Haushaltslagen.

  1. Wie wollen Sie die energetische Sanierung von kommunalen Bestandsgebäuden stärker fördern (z.B. durch kommunale Anreize, Beratung, Kooperation mit KommEnergie)? 

Die energetische Sanierung kommunaler Bestandsgebäude halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Sanierungen senken den Energieverbrauch, reduzieren laufende Betriebskosten und machen die Gemeinde unabhängiger von Energiepreisschwankungen. Voraussetzung ist jedoch, dass Maßnahmen wirtschaftlich, realistisch und langfristig tragfähig sind.

Konkret bedeutet das für mich: Die Gemeinde sollte bei ihren eigenen Gebäuden mit einer systematischen Bestandsanalyse beginnen und Maßnahmen priorisieren, die ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis haben. Beratungsangebote und die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern wie der KommEnergie können dabei helfen, technische Optionen sachlich zu bewerten und Fördermöglichkeiten effizient zu nutzen. „Kommunale Anreize“ verstehe ich in diesem Zusammenhang nicht als finanzielle Förderung für private Eigentümer, sondern als interne Steuerung: klare Sanierungsfahrpläne, transparente Entscheidungsgrundlagen und eine verlässliche Projektplanung. So kann die Gemeinde Schritt für Schritt investieren, ohne den Haushalt zu überfordern oder Symbolprojekte umzusetzen.

  1. Sehen Sie Potenzial für eine verkehrsberuhigte Ortsmitte (Bahnhofstraße/Kirchenstraße) und wenn ja, wie soll diese gestaltet werden? 

Ich bin gegen eine vollständige Verkehrsberuhigung oder eine Fußgängerzone in der Gröbenzeller Ortsmitte. Die Realität vor Ort muss ernst genommen werden: In der Ortsmitte befinden sich nicht nur Einzelhandel und Gastronomie, sondern auch zahlreiche Arztpraxen und Dienstleistungen, die für viele Menschen regelmäßig erreichbar sein müssen. Gerade für ältere Bürgerinnen und Bürger oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist das Auto oft kein Luxus, sondern eine Voraussetzung, um selbstbestimmt am Alltag teilzunehmen. Eine Ortsmitte, die faktisch nur noch gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar ist, würde viele Menschen ausschließen – das halte ich für den falschen Weg.

Statt Symbolpolitik setze ich auf pragmatische Lösungen, um Verkehr zu ordnen und zu entzerren, ohne die Erreichbarkeit zu verschlechtern. Dazu gehört für mich insbesondere, die Tiefgarage des Rathauses dauerhaft und unkompliziert für die Bürgerinnen und Bürger zu öffnen: 24 Stunden am Tag, ohne Zugangshürden wie Klingeln oder Sonderregelungen. So kann Parksuchverkehr reduziert und die Ortsmitte entlastet werden, ohne Handel, Ärzte oder Patientinnen und Patienten zu benachteiligen.

  1. Wie stehen Sie zu einer Beleuchtung des Fahrradweges nach Olching? Würden Sie hier Gespräche mit der Stadt Olching aufnehmen? 

Bei Infrastrukturmaßnahmen wie der Beleuchtung von Fahrradwegen ist für mich eine sachliche Abwägung von Nutzen, Kosten und Auswirkungen entscheidend. Eine Umsetzung ist nur dann sinnvoll, wenn ein klarer Bedarf besteht und ein tatsächlicher Sicherheitsgewinn nachgewiesen werden kann. Dabei müssen neben der Verkehrssicherheit auch die Investitions- und Betriebskosten sowie mögliche Auswirkungen auf Natur und Umgebung berücksichtigt werden.

  1. Befürworten Sie die Einführung von Parkraummanagement (z. B. Anwohnerparken, Kurzzeitparkzonen) zur Reduzierung des Straßenparkens? 

Nein. Ich halte ein flächendeckendes Parkraummanagement mit Anwohnerparken oder zusätzlichen Gebühren in Gröbenzell derzeit nicht für sinnvoll. Es würde vor allem die Bürgerinnen und Bürger belasten, ohne die zugrunde liegenden Probleme nachhaltig zu lösen. Sollte sich ein konkreter Bedarf ergeben, wäre eine interkommunale Abstimmung mit der Gemeinde Olching erforderlich.

  1. Welche Rolle sollen Elektromobilität, Carsharing und öffentlicher Nahverkehr in der zukünftigen Mobilitätsstrategie spielen? 

Ich halte den bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur für einen sinnvollen Baustein der Mobilitätsentwicklung in Gröbenzell. Weitere Stromtankstellen kann ich mir gut vorstellen, etwa im Bereich des Parkplatzes zwischen Post und S-Bahnhof oder auf größeren Supermarktparkplätzen. Gerade diese Flächen bieten aus meiner Sicht großes Potenzial – auch für eine Überdachung mit Photovoltaikanlagen, um Energieerzeugung und Mobilität sinnvoll zu verbinden.

Darüber hinaus sollte geprüft werden, wie die Gemeinde private Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer beim Einbau von Ladestationen, etwa in Garagen oder auf privaten Stellplätzen, besser unterstützen oder zumindest bürokratische Hürden abbauen kann. Am Bahnhof sehe ich zudem Möglichkeiten für Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder sowie perspektivisch für Mobilitätsangebote in Kombination mit dem ÖPNV.

Grundsätzlich ist mir eine Technologieoffenheit im Verkehrsbereich wichtig. Elektromobilität ist ein Weg, aber nicht der einzige. Je nach technischer Entwicklung und Bedarf können künftig auch andere Antriebsformen, etwa Wasserstoff, eine Rolle spielen.

  1. Welche Möglichgkeiten zur Ertüchtigung der Fahrradunterführung am großen Ascherbach/Fischerweg sehen Sie? 

Bei Maßnahmen wie der Ertüchtigung einzelner Fahrradunterführungen ist für mich entscheidend, ob sie einen konkreten Sicherheits- oder Funktionsgewinn bringen. Investitionen sollten dort erfolgen, wo es erkennbare Probleme gibt und ein tatsächlicher Mehrwert für den Alltag vieler Bürgerinnen und Bürger entsteht.

  1. Planen Sie ein Konzept, welches es vor allem Kindern, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen ermöglicht, sich gefahrlos im öffentlichen Verkehr und Straßenraum zu bewegen? 

Sichere Mobilität für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung ist eine Grundvoraussetzung für Selbstständigkeit und Teilhabe. Ziel muss es sein, dass sich alle Generationen in Gröbenzell möglichst sicher und eigenständig im öffentlichen Raum bewegen können. Dabei halte ich gezielte, praxisnahe Maßnahmen für sinnvoller als umfassende theoretische Konzepte. Dazu gehören sichere Schulwege, gut einsehbare Querungshilfen, barrierefreie Gehwege sowie eine klare Durchsetzung bestehender Verkehrsregeln – insbesondere dort, wo falsch parkende Fahrzeuge Gehwege oder Sichtachsen blockieren.

  1. Wie wollen Sie die Baumschutzverordnung weiterentwickeln und konsequent umsetzen? Die Landeshauptstadt München plant ja gerade eine Reform, die durchaus als Vorbild für eine weitere Verbesserung des Baumschutzes dienen kann.

Bäume sind ein wichtiger Bestandteil des Ortsbildes und des Gartenstadtcharakters Gröbenzells. Gleichzeitig halte ich es für entscheidend, beim Baumschutz Maß und Mitte zu wahren.  Ich stehe klar gegen eine Verschärfung der Baumschutzverordnung nach dem Vorbild der Münchner Baumschutzverordnung. Die dort geplanten bzw. beschlossenen Regelungen zeigen aus meiner Sicht, wie schnell gut gemeinter Baumschutz in überbordende Bürokratie, Rechtsunsicherheit und Eingriffe in Eigentumsrechte umschlagen kann. Insbesondere immer niedrigere Schutzgrenzen und zusätzliche Genehmigungspflichten helfen dem Baumbestand nicht automatisch – sie können im Gegenteil Fehlanreize setzen, etwa durch vorsorgliche Fällungen aus Angst vor späteren Auflagen.

Stattdessen setze ich auf einfache, klare und nachvollziehbare Regeln, die Planungssicherheit bieten – für private Eigentümer ebenso wie für den Wohnungsbau. Baumschutz gelingt aus meiner Sicht besser durch Förderung und Anreize als durch Verbote, Gebühren und komplizierte Punktesysteme, etwa durch Unterstützung bei Ersatzpflanzungen, Beratung oder kommunale Pflanzprogramme. Ich traue den Bürgerinnen und Bürgern in Gröbenzell grundsätzlich zu, verantwortungsvoll mit ihren Gärten umzugehen. Ziel muss ein wirksamer, aber verhältnismäßiger Baumschutz sein, der den Gartenstadtcharakter erhält, ohne Freiheit, Eigentum und Entwicklungsmöglichkeiten unnötig einzuschränken.

  1. Welche Schritte wollen Sie zur Renaturierung der Bäche und Gräben in Gröbenzell unternehmen, um Hochwasserschutz und Biodiversität zu verbessern? 

Einer Renaturierung der Bäche werden häufig durch die Bebauung der Ufer Grenzen gesetzt. Wo es möglich ist, spricht aber nichts gegen Renaturierung und Uferbepflanzung – sinnvoll kombiniert mit Maßnahmen, die Wasser im Ereignisfall besser zurückhalten und den Abfluss verlangsamen.

Die Dringlichkeit ist in den letzten Jahren leider deutlich geworden: Beim Hochwasser Anfang Juni 2024 war die Lage im Landkreis Fürstenfeldbruck in mehreren Kommunen angespannt;  Gröbenzell gehörte leider auch zu den Einsatzschwerpunkten. Deshalb halte ich es für sinnvoll, naturnahe Maßnahmen dort, wo sie umsetzbar sind, mit technischen Lösungen zu ergänzen. Dazu gehören Rückhalte- und Versickerungsmöglichkeiten sowie Konzepte, die Wasser im Siedlungsraum länger zurückhalten, statt es schnell abzuleiten. Ebenso wichtig ist eine gute Vorsorge und Information der Bevölkerung. Gröbenzell hat hierzu bereits eine Sturzflut-Risikomanagementkonzept mit Karten veröffentlicht. Dies sollte konsequent in die kommunale Planung einbezogen werden und Eigentümerinnen und Eigentümer dabei unterstützen, Risiken realistisch einzuschätzen und eigenverantwortlich vorzusorgen.

  1. Wir hatten in den 2000er Jahren einen Naturlehrpfad in dem Wäldchen hinter der Gröbenbachschule. Da Gröbenzell nicht über viele naturnahe Gebiete verfügt, wäre ein neuer Naturlehrpfad eine gute Lösung. Wie stehen Sie dazu? 

An den Naturlehrpfad im „Wald“ hinter der Gröbenbachschule habe ich sehr gute Kindheitserinnerungen: Dort habe ich als Kind häufig gespielt, die Natur entdeckt und viel Zeit draußen verbracht. Ein Naturlehrpfad kann daher ein niedrigschwelliges Angebot der Umweltbildung und Naherholung sein, das Generationen verbindet und Natur im Alltag erlebbar macht. Gleichzeitig ist mir wichtig, die Rahmenbedingungen realistisch zu betrachten. In der Vergangenheit gab es beim Gröbenzeller Naturlehrpfad Probleme, unter anderem weil Teile des Pfades über private Flächen führten. Wenn ein Naturlehrpfad neu gedacht oder weiterentwickelt wird, dann nur im Einvernehmen mit den betroffenen Grundstückseigentümerinnen und -eigentümern, mit klaren vertraglichen Regelungen und in Zusammenarbeit mit Vereinen und Ehrenamtlichen.

  1. Soll die Gemeinde den Flächenverbrauch aktiv begrenzen, etwa durch ein kommunales Entsiegelungsprogramm? 

Ein kommunales Entsiegelungsprogramm halte ich ausdrücklich für einen guten Ansatz, insbesondere dann, wenn es auf Freiwilligkeit und finanzielle Anreize setzt. Genau diesen Weg geht Gröbenzell bereits mit dem bestehenden Flächenentsiegelungsprogramm, das private Eigentümerinnen und Eigentümer bei der Entsiegelung von Einfahrten, Stellplätzen oder bei der Begrünung von Dächern finanziell unterstützt und belohnt.

Solche Programme sind aus meiner Sicht der richtige Weg: Sie motivieren statt zu bevormunden, stärken den Gartenstadtcharakter, verbessern das Mikroklima und leisten einen Beitrag zum Starkregen- und Hochwasserschutz – ohne zusätzliche Verbote oder Eingriffe in Eigentumsrechte. Wichtig ist, dass diese Angebote gut kommuniziert, praktikabel ausgestaltet und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde fortgeführt werden.

  1. Wie wollen Sie die Abfallvermeidung in Gröbenzell fördern (z. B. Mehrwegangebote, Repair-Cafés, Unverpackt-Konzepte, vermehrte Aufklärung)? 

In Gröbenzell gibt es bereits sehr gute bestehende Konzepte, die ich ausdrücklich unterstütze – allen voran das Repair Café. Es zeigt eindrucksvoll, wie durch ehrenamtliches Engagement, praktisches Wissen und gemeinschaftliches Handeln Abfall vermieden und Ressourcen geschont werden können. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Repair Café derzeit auf der Suche nach einem neuen Standort ist, sehe ich hier auch die Gemeinde in der Verantwortung, unterstützend zu wirken – etwa durch die Vermittlung geeigneter Räumlichkeiten oder organisatorische Hilfe. Solche Initiativen leben vom Engagement der Beteiligten und sollten nicht an praktischen Hürden scheitern.

Darüber hinaus halte ich Mehrwegkonzepte, Abfallvermeidung bei gemeindlichen Veranstaltungen und eine verständliche Aufklärung über Mülltrennung für sinnvoll. Entscheidend ist für mich dabei immer: Menschen motivieren statt bevormunden.

  1. Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche stärker in Natur- und Umweltbildung einbinden (z. B. Naturlehrpfad, Grünes Klassenzimmer, Kooperation mit Schulen)? 

Kinder und Jugendliche sollten Natur und Umwelt praktisch und altersgerecht erleben können. Besonders sinnvoll sind Projekte, die direkt an den Alltag anknüpfen – etwa über Schulen, Kitas, Vereine oder Ferienangebote. Umweltbildung funktioniert am besten, wenn sie Neugier weckt und Mitmachen ermöglicht, statt belehrend zu sein. Ich befürworte Kooperationen mit lokalen Initiativen und Ehrenamtlichen sowie niedrigschwellige Angebote, die Kindern und Jugendlichen ermöglichen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Umgebung aktiv mitzugestalten.

  1. Wie wollen Sie Gröbenzell als Fairtrade-Gemeinde weiterentwickeln? 

Ich unterstütze das Engagement Gröbenzells als Fairtrade-Gemeinde ausdrücklich. Dieses Engagement möchte ich weiter stärken und sichtbar machen. Konkret sehe ich Potenzial in einer stärkeren Vernetzung lokaler Akteure, etwa Schulen, Vereine, Einzelhandel und Gastronomie, sowie in gezielter Informationsarbeit, die globale Zusammenhänge verständlich macht. Gerade aus meiner Perspektive als Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen halte ich es für wichtig, internationale Handelsbeziehungen und ihre Auswirkungen greifbar zu machen – nicht abstrakt, sondern im Alltag vor Ort.

  1. Wie stellen Sie sich eine stärkere Bürgerbeteiligung in Umweltfragen vor (z. B. digitale Beteiligung, Bürgerwerkstätten)? 

Mehr Demokratie und mehr Bürgerbeteiligungen verbessern politische Entscheidungen. Digitale Beteiligungsangebote können helfen, Informationen zugänglich zu machen und Rückmeldungen niedrigschwellig einzuholen – insbesondere für Menschen, die wenig Zeit haben oder nicht an Präsenzveranstaltungen teilnehmen können. Ergänzend halte ich Bürgerwerkstätten, Informationsabende oder thematische Workshops für sinnvoll, um komplexe Fragen gemeinsam zu diskutieren und lokales Wissen einzubinden.

  1. Befürworten Sie den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen?

Ja, gerade in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen. Gleichzeitig ist mir entscheidend, dass Eltern dadurch nicht finanziell zusätzlich belastet werden. Nicht jede Familie kann sich höhere Beiträge leisten, und gute Verpflegung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Ich befürworte daher einen pragmatischen und schrittweisen Ansatz: regionale Anbieter einbinden, dort wo möglich Bio-Anteile erhöhen, Lebensmittelverschwendung reduzieren und bestehende Spielräume nutzen