Claudia O´Hara-Jung, UWG
- Welche Vision haben Sie für Gröbenzell im Jahr 2036? Wie soll unsere Gemeinde in 10 Jahren aussehen?
– Außen: Gröbenzell ist 2026 nicht flächenmäßig gewachsen, sondern hat sich überwiegend im Bestand weiter entwickelt.
Der Gartenstadtcharakter mit großen Bäumen, Gärten und Grünzügen bleibt prägend.
Neue Gebäude fügen sich in Maßstab, Höhe und Grünanteil in die bestehende Struktur ein.
Öffentliche Räume sind grüner, schattiger und besser nutzbar. Öffentliche Gebäude sind alle energetisch saniert.
Wärmeplanung wurde erfolgreich umgesetzt und Klimabilanz deutlich verbessert.
Der Umweltverbund (Fuß, Rad, ÖPNV) dominiert den Verkehr in der Ortsmitte. Autos sind natürlich weiterhin möglich, prägen aber nicht mehr den öffentlichen Raum.
Die Ortsmitte verfügt über Geschäfte des alltäglichen Bedarfs (incl. Supermarkt!) und ist beliebter und belebter Aufenthaltsraum.
Radwege sind sicher und durchgängig.
Die Jugend hat wieder einen Ort, an dem sie sich treffen kann und gerne aufhält.
Ein Mehrgenerationenhaus mit Demenzgruppe verbindet Alt und Jung.
-Innen: Gemeindeverwaltung bindet Bevölkerung konsequent in Fragen und Entscheidungen ein; es wird wieder mehr gefragt und zugehört; Kompetenz der Bürgerinnen und Bürger werden genutzt um gemeinsam lokal zu entscheiden; zusätzlich gibt es einen Umwelt- und Klimabeirat; Konzepte und Stellungnahmen der Beiräte/Agenda 21/ Bund Naturschutz/ADFC… werden geschätzt und berücksichtigt.
Ehrenamt und nachbarschaftliches Mit- und Füreinander stärken die Gesellschaft.
- Angesichts steigender Mieten und wachsendem Siedlungsdruck: wie wollen Sie den Gartenstadtcharakter bewahren und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen?
Bezahlbarer Wohnraum vor den Toren Münchens ist aufgrund der begrenzten Flächen in Gröbenzell kaum realistisch. Die Gemeinde kann z.B.
jedes Jahr ein bis drei Wohnungen kaufen, um günstigeren Wohnraum anbieten zu können.
Außerdem kann sie Beratung und Konzeptausarbeitung für genossenschaftliches Bauen von Privaten durch Fachpersonal anbieten, um den Weg aufzuzeigen, u.a. gezielt mit Maklern zusammenarbeiten.
- Welche Rolle sollen Nachverdichtung und grüne Infrastruktur (Z.B. Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung) in der Ortsentwicklung spielen?
Wichtige Rolle! Entsiegelungsprämie und Vorgaben in den Bebauungsplänen sollen Nachverdichtung und grüne Infrastruktur sicherstellen. Grüne Infrastruktur und auch die „zusammenhängenden grünen Gürtel“ (wie z.B. die Flächen in der zweiten Reihe der Bahnhofstr.) ist zu bewahren und möglichst auszubauen.
- Wie wollen Sie verhindern, dass sich der Trend der Schottergärten verfestigt?
Förderzuschüsse für Rückbau beibehalten; Klarstellung in Bebauungsplan, Hinweisblatt für Bauherrn bei Baugenehmigung; Öffentlichkeitsarbeit und Beratungsvermittlung für „naturnahe Gärten“; Bevölkerung über Zusammenhänge informieren (was sind die Folgen fehlender Versickerungsflächen/Pflanzen/Arten…)
- Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Gröbenzell bis 2035 klimaneutral machen?
Nur möglich, wenn sektorspezifisch und realistisch vorgegangen wird.
-Kommunale Wärmeplanung als zentrales Steuerungselement nutzen, um geeignete „Quartiere für kleinräumige Wärmenetze“ zu identifizieren und Bereiche festzulegen, in denen „dezentrale Wärmepumpenlösungen“ langfristig die sinnvollste Option sind; Prioritäten für Beratungen und Investitionen zu setzen (s. auch Energienutzungsplan)
- Angebote für Bürger ausarbeiten: evtl. „Mietwärmepumpen“ und Planungen in Reihenhaussiedlungen, bei denen aufgrund Installationen für jeden Verbraucher problematisch sind ->zentrale Wärmepumpe von der aus Verteilung erfolgt.
- Durch Dienstbarkeiten auf Gemeindegrund (z.B. für Verlegung von Elektrokabeln) Bevölkerung im Wandel unterstützen.
– weiterhin kommunale Gebäude energetisch optimiert sanieren.
– BürgerInnen informieren über Möglichkeiten „Check dein Haus Kampagne“
- Kommunales Energiekonzept im Umgriff „südliche Bernhard-Rößner-Str.“ und auch „Wagner Hochhäuser“ in Wärme-Verbund Lösung miteinbeziehen
- Betriebliches Energiekonzept: Unterstützung Gewerbetreibende bei Umstellung
Kommune wird mit Beratungseagentur Klima3 in den o.g. Bereichen Bevölkerung sensibilisieren und informieren, Einsparpotenziale definieren und Alternativen konkret aufzeigen.
Intensive Öffentlichkeitsarbeit – gemeinsam mit den maßgeblichen Gremien/Beiräten/Vereinen
- Soll Gröbenzell sich an Windkraftprojekten im Landkreis beteiligen?
Ja, und auch an Projekten in Kommunen der Westallianz. Der Gemeinderat könnte dazu beschließen, dass die Erträge der Beteiligung zweckgebunden sind und z.B. ausschließlich für Klimaschutz- oder Energieprojekte in Gröbenzell zu verwenden sind.
7. Wie wollen Sie die energetische Sanierung von kommunalen Bestandsgebäuden stärker fördern? (z.B. durch kommunale Anreize, Beratung, Kooperation mit KommEnergie)?
Durch Umsetzung der klaren Empfehlungen im Energienutzungsplan und natürlich Inanspruchnahme der Fördermittel. Kommunale Anreize kann die Kommune nicht für sich selber schaffen.
8. Sehen Sie Potenzial für eine verkehrsberuhigte Ortsmitte (Bahnhofstr./Kirchenstr.) und wenn ja, wie soll diese gestaltet werden?
Wir haben beste örtliche Voraussetzungen für eine ansprechend gestaltetet Ortsmitte.
Dafür braucht es weniger Autoverkehr, mehr grün, Einrichtungen für eine bessere Aufenthaltsqualität für Alt und Jung, Wasser, Trinkbrunnen, schattige Plätze.
9. Wie stehen Sie zu einer Beleuchtung des Fahrradweges nach Olching? Würden Sie hier Gespräche mit der Stadt Olching aufnehmen?
Ich würde mit dem staatlichen Bauamt sprechen und ggf. bewegungsabhängige LED-Leuchten favorisieren.
10. Befürworten Sie die Einführung von Parkraummanagement (z.B. Anwohnerparken, Kurzzeitparkzonen) zur Reduzierung des Straßenparkens?
Ich befürworte Kurzzeitparkzonen in der Ortsmitte und an der Staatsstrasse.
11. Welche Rolle sollen Elektromobilität, Carsharing und öffentlicher Nahverkehr in der zukünftigen Mobilitätsstrategie spielen?
Diese drei Bereiche sollen eine große Rolle in der zukünftigen Mobilitätsstrategie spielen. Seit 30 Jahren gibt es am Bahnhof (Parkplatz ÄFS) die Carsharing- Station von „Statt Auto“ – dies gilt es auszubauen (ggf. auch mit anderen Anbietern); MobilitätsHubs sind für die Ortsmitte geplant (mit Carsharing, Leihrädern, Servicestationen für Räder); E-Ladepunkte auf kommunalen Flächen sind vermehrt einzurichten bzw. auszuschreiben; Unterstützung der Bevölkerung durch Beratung für Einrichtung von E-Ladepunkten in privaten Tiefgaragen; öffentlicher Nahverkehr soll ausgeweitet werden.
12.Welche Möglichkeiten zur Ertüchtigung der Fahrradunterführung am großen Ascherbach/Fischerweg sehen Sie?
Die dortige Bahntrasse steht im Eigentum der DB. Dort gibt es keinen legalen Radweg, der unter der Bahntrasse durchführt. Die Gemeinde müsste diesen bauen. Angesichts des extremen Haftungsrisikos (wenn Strecke gesperrt werden müsste) und der hohen Baukosten für eine Brücke oder Unterführung, plus der Erwerbskosten für die entsprechenden Grundstücke, sehe ich keine Möglichkeit die dortigen Bedingungen -direkt unter der Brücke- zu verbessern. Das wurde bereits mehrfach ausführlich geprüft.
13. Planen Sie ein Konzept, welches es vor allem Kindern, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen ermöglicht, sich gefahrenlos im öffentlichen Verkehr und Straßenraum zu bewegen?
Es wurden bereits die Schwachstellen in verschiedenen detaillierten Konzepten (Fahrradkonzept des ADFC und Fußgängerkonzept der Agenda 21) herausgearbeitet (z.B. zu kurze Grünphasen) und die Verbesserungen werden aktuell Schritt für Schritt umgesetzt. Fehlende Schulweghelfer (die BRS hat aktuell keinen Schulweghelfer) sollten vermehrt aktiv – z.B auch durch Zusammenarbeit mit Seniorenbeirat und Vereinen- gesucht werden.
14. Wie wollen Sie die Baumschutzverordnung weiterentwickeln und konsequent umsetzen? Die Landeshauptstadt München plant ja gerade eine Reform, die durchaus als Vorbild für eine weitere Verbesserung des Baumschutzes dienen kann.
Bei der aktuellen BaumSchutzVO besteht für Gröbenzeller Bäume bereits die Schutzgrenze, die München nach der Reform ebenfalls regelt: geschützter Stammumfang gemessen in 1m Höhe beträgt 60 cm.
Die Höhe der Ausgleichszahlungen könnte verändert werden, das würde Fällungen teurer und den Erhalt attraktiver machen.
Außerdem würde ich prüfen, ob Genehmigungen zur Fällung von Zahlung einer Kaution, die bis zum Nachweis der Ersatzpflanzung einbehalten werden kann, abhängig gemacht werden können. Das würde die Gemeinde bzgl. der Kontrolle entlasten und Bauherren zum korrekten Vorgehen animieren!
15. Welche Schritte wollen Sie zur Renaturierung der Bäche und Gräben in Gröbenzell unternehmen, um Hochwasserschutz und Biodiversität zu verbessern?
Wenn möglich weiterhin Grundstücke an den Bächen und Gräben ankaufen, um dort noch mehr heimische Pflanzen und Biotope aufzubauen; Entsiegelung von Bachufern veranlassen; Befestigte Böschungen durch „naturnahe Uferflächen“ ersetzen; Gewässer entsprechend Gewässerpflegeplan regelmäßig reinen; Vermehrt für Grünpatenschaften in diesen Bereichen werben und Beratung für Pflege anbieten; Wert dieser Gewässer für uns alle durch besondere Aktionen hervorheben – ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen.
16. Wir hatten in den 2000er Jahren einen Naturlehrpfad im Wäldchen hinter der Gröbenbachschule. Da Gröbenzell nicht über viele naturnahe Gebiete verfügt, wäre ein neuer Naturlehrpfad eine gute Lösung. Wie stehen Sie dazu?
Kritisch. Naturnähe wird nicht unbedingt durch Naturlehrpfad begünstigt. Wenn diese Fläche sich selbst überlassen bleibt entspricht das eher meinen Vorstellungen eines „naturnahen Gebiets“. Wenn es darum geht Schulklassen für Unterricht und Erfahrung einen Bezug zur Natur anzubieten, könnten gemeinsame „Pflanzaktionen“, Pflege eines Schulgartens etc. dazu beitragen.
17. Soll die Gemeinde den Flächenverbrauch aktiv begrenzen, etwa durch ein kommunales Entsiegelungsprogramm?
Ja. Darauf zielt die Entsiegelungsprämie bereits ab.
18. Wie wollen Sie die Abfallvermeidung in Gröbenzell fördern (z.B. Mehrwegangebote, Repair Cafés, Unverpackt-Konzepte, vermehrte Aufklärung)?
Durch vermehrte Öffentlichkeitsarbeit, bestehende Mehrwegpflicht bei Gemeindeveranstaltung, Projekte der UWG (Nachtkleiderflohmarkt, Kreislaufcontainer, Unverpacktcontainer, Geschirrverleih,…), Bücherboxen, Raumangebot im Bürgerhaus für Repair Café -> Angebote statt Verbote.
Informationen über Angebote Einrichtungen vor Ort, z.B. Geschirrverleih Bund Naturschutz
19. Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche stärker in Natur- und Umweltbildung einbinden (z.B. Naturlehrpfad, Grünes Klassenzimmer, Kooperation mit Schulen)?
Durch weitere Kooperation mit dem Dachauer Moos Verein – im Obergrashof werden Umweltthemen angesprochen; Kooperation mit dem Jugendbeirat für umweltbezogene Projekte, bei denen sie ihre Ideen realisieren und Verantwortung übernehmen können; Öffentlichkeitsarbeit auf social media nutzen um die Jugendlichen zu erreichen; Kinder durch Kooperationen mit Schulen und Betreuungseinrichtungen einbeziehen; „Zero Waste Schulprojekte“ vermitteln.
20. Wie wollen Sie Gröbenzell als Fairtrade Gemeinde weiterentwickeln?
Mehr Fairtrade Produkte in kommunalen Einrichtungen verwenden; in Dialog mit BürgerInnen gehen um lokale ehrenamtliche Steuerungsgruppe zu motivieren und zu unterstützen und gemeinsam Potenziale herausarbeiten und umsetzen.
21. Wie stellen Sie sich eine stärkere Bürgerbeteiligung in Umweltfragen vor (z.B. digitale Beteiligung, Bürgerwerkstätten)?
Bürgerwerkstätten weiterhin durchführen; digitale online Plattform wird derzeit in Gemeinde vorbereitet und kann für unterschiedliche Themen genutzt werden; Informationsveranstaltungen mit Raum für Austausch und Diskussionen anbieten; Agenda 21 mit Antrags- und Rederecht im Gemeinderat vermehrt involvieren; Umweltbeirat installieren; Veranstaltungen (z.B. Tag des Baumes, Tag der Grünpatenschaft,…) mit BürgerInnen und Arbeitskreisen/Bund Naturschutz… vor Ort durchführen; Einsatz von Bürgerräten prüfen.
22. Befürworten Sie den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen? Ja, absolut.

