Jens Wäcken, CSU
1. Welche Vision haben Sie für Gröbenzell im Jahr 2036 – wie soll unsere Gemeinde in 10 Jahren aussehen?
Gröbenzell soll auch 2036 eine lebenswerte, umweltfreundliche und familienfreundliche Gartenstadt sein. Klimafest, sozial ausgewogen und wirtschaftlich solide. Eine Gemeinde mit einem starken Ortskern, viel natürlicher Verschattung, hohe Aufenthaltsqualität und bezahlbarem Wohnen. Mit moderner Infrastruktur bei gleichzeitiger Wahrung unseres eigenständigen Charakters. „Naturschutz heißt nicht: nichts mehr bauen. Naturschutz heißt: klüger bauen!“
Beispiel:
„Wenn wir 2036 durch die Kirchenstraße gehen, haben wir mehr Bäume, Schatten, Sitzmöglichkeiten und ein lebendiges Ortszentrum, ohne den Gartenstadtcharakter verloren zu haben.“
2. Angesichts steigender Mieten und wachsendem Siedlungsdruck: Wie wollen Sie den Gartenstadtcharakter bewahren und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen?
Ich setze auf maßvolle, weitsichtige Nachverdichtung statt Flächenfraß. Bezahlbarer Wohnraum soll vor allem durch kommunale Grundstückspolitik, genossenschaftliches Bauen und geförderten Wohnungsbau entstehen, ohne großflächige Versiegelung oder den Verlust wertvoller Gärten und Grünflächen.
Beispiel:
„Statt neue Baugebiete auszuweisen, setze ich auf kleinere Nachverdichtungen wie Mehrgenerationenhäuser auf bereits erschlossenen Flächen.“
3. Welche Rolle sollen Nachverdichtung und grüne Infrastruktur (z. B. Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung) in der Ortsentwicklung spielen?
Nachverdichtung ist notwendig, sollte aber mit grüner Infrastruktur kombiniert werden. Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung, Baumerhalt und Regenwassermanagement (z.B. Toilettenspülung). Als einfaches Beispiel wäre für mich eine fachgerechte Dachbegrünung von Neubau Garagendächern.
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- Bsp: Ein begrüntes Dach hält bis zu 50–80 % des Regenwassers zurück
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- Entlastung der Kanalisation bei Starkregen
4. Wie wollen Sie verhindern, dass sich der Trend der Schottergärten verfestigt?
Ich befürworte aufklärendes Vorgehen gegen Schottergärten im Rahmen der Baugenehmigung durch die Gemeinde. Durch Aufklärung ist oft mehr erreicht, als durch Verbote! Gleichzeitig sollen positive Anreize für naturnahe Vorgärten geschaffen werden. Beispielgebend wäre hier die Erweiterung des kommunalen Klimaschutzpreises speziell auf Vorgärten.
5. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um Gröbenzell bis 2035 klimaneutral zu machen?
Klimaneutralität ist ambitioniert und ein wichtiges Ziel. Ich dabei setze auf:
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- Ausbau erneuerbarer Energien
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- energetische Sanierung kommunaler Gebäude
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- klimafreundliche Mobilität wo möglich
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- Förderung privater Maßnahmen durch Beratung und Kooperationen
realistisch, sozial verträglich und finanzierbar und insgesamt ist mir hier die Aufklärung und Mitnahme der Bürger bei diesem Thema wichtig!
- Förderung privater Maßnahmen durch Beratung und Kooperationen
Beispiel:
„Die energetische Sanierung von Schule, Rathaus oder Feuerwehr ist ein direkter Hebel, den die Gemeinde selbst steuern kann.“
6. Soll Gröbenzell sich an Windkraftprojekten im Landkreis beteiligen?
Ja, grundsätzlich sofern Standort, Wirtschaftlichkeit, Naturschutz und Akzeptanz der Bevölkerung gegeben sind. Kommunale Beteiligung stärkt Wertschöpfung vor Ort. Allerdings wird Gröbenzell keine eigenen Windkraftanlagen betreiben können.
7. Wie wollen Sie die energetische Sanierung von kommunalen Bestandsgebäuden stärker fördern (z.B. durch kommunale Anreize, Beratung, Kooperation mit KommEnergie)?
Ich möchte Sanierungen systematisch vorantreiben. Erstellung eines Sanierungsfahrplan für die kommenden 10 Jahre, Fördermittelakquise, Kooperation mit KommEnergie und gezielte Beratungsangebote auch für private Eigentümer. Energetische Sanierung ist bei kommunalen Gebäuden essentiell wichtig. Die Gemeinde als Vorbild!
Beispiel:
„Ein Sanierungsfahrplan für die nächsten zehn Jahre gibt Planungssicherheit, etwa für die schrittweise Modernisierung von Schulen.“
8. Sehen Sie Potenzial für eine verkehrsberuhigte Ortsmitte (Bahnhofstraße/Kirchenstraße) und wenn ja, wie soll diese gestaltet werden?
Ich sehe Potenzial für eine schrittweise Verkehrsberuhigung mit Erhöhung der Aufenthaltsqualität. Dabei entsteht mehr Sicherheit für Fußgänger, bessere Querungen, Begrünung und attraktive Plätze. Die kann aber nur unter Einbindung von Gewerbe und Anwohnern stattfinden. In der aktuellen Planung Umbau der Kirchenstrasse und den Gesprächen mit den Gewerbetreibenden ist ein Verzicht an Parkplätzen aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Verkehrsberuhigt heißt für mich aktuell Tempo 20 für die Kirchenstrasse. Die Planung zur Bahnhofstrasse muss neu überdacht werden. Busse und LKW´s müssen darüber Gröbenzell weiterhin gut versorgen können.
9. Wie stehen Sie zu einer Beleuchtung des Fahrradweges nach Olching? Würden Sie hier Gespräche mit der Stadt Olching aufnehmen?
Grundsätzlich befürworte ich eine sichere Lösung für Fahrradfahrer und Fußgänger. Der gesamte Radweg liegt nicht auf Gröbenzeller Flur. Ich würde Gespräche mit der Stadt Olching aufnehmen, um eine bedarfsgerechte, naturschonende Beleuchtung (z. B. sensorgesteuert) zu prüfen. Bei einem Umbau ist gleichzeitig der Bestand für Fußgänger und Fahrradfahrer in beide Richtungen zu prüfen. Ggf. kann es sein, dass die Breite des Fußgänger / Radwegs nach den gesetzlichen Vorgaben zu schmal ist. Wichtig: Die Kosten sind nicht auf Gröbenzeller Seite – damit haben wir hier nur bedingte Möglichkeiten.
10. Befürworten Sie die Einführung von Parkraummanagement (z. B. Anwohnerparken, Kurzzeitparkzonen) zur Reduzierung des Straßenparkens?
Ja, Parkraummanagement ist ein sinnvolles Instrument, wenn es fair, sozial ausgewogen und schrittweise eingeführt wird. Mit klaren Zielen zur Entlastung des öffentlichen Raums besonders durch Dauerparker.
11. Welche Rolle sollen Elektromobilität, Carsharing und öffentlicher Nahverkehr in der zukünftigen Mobilitätsstrategie spielen?
Alle drei sind zentrale Bausteine:
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- Ausbau der Ladeinfrastruktur
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- Stärkung von Carsharing – in Gröbenzell vermutlich nicht einfach zu gestalten (kein Ballungsgebiet wie München)
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- bessere ÖPNV-Anbindung und Taktung
Ziel ist weniger Individualverkehr, nicht Mobilitätsverzicht!
- bessere ÖPNV-Anbindung und Taktung
12. Welche Möglichkeiten zur Ertüchtigung der Fahrradunterführung am großen Ascherbach/Fischerweg sehen Sie?
Ich sehe grundsätzlich Handlungsbedarf. Eine Planung von mehreren Übergängen / Unterführungen der Bahngleise hat zu keinem Ergebnis geführt. Ein Grund war die u.a. die finanzielle Situation. Bessere Beleuchtung, Entwässerung, Barrierefreiheit und subjektive Sicherheit sollten trotzdem das Ziel sein. Hier braucht es eine technisch und finanziell realistische Lösung. Daher muss das in eine langfristige Planung eingebunden werden. Die Bahn wird sich nach aktuellem Stand nicht an den Kosten beteiligen. Bei einem Ausbau sind natürlich sämtliche gesetzlichen Verpflichtungen und Normen einzuhalten. Dazu zählt auch die Barrierefreiheit.
13. Planen Sie ein Konzept, welches es vor allem Kindern, Menschen mit Behinderung und älteren Menschen ermöglicht, sich gefahrlos im öffentlichen Verkehr und Straßenraum zu bewegen?
Ja. Ich plane ein integriertes Mobilitäts- und Sicherheitskonzept mit Fokus auf Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung: sichere Schulwege und barrierefreie Querungen. Dabei ist die gesamtheitliche Betrachtung aller Verkehrsteilnehmer unbedingt zu berücksichtigen.
14. Wie wollen Sie die Baumschutzverordnung weiterentwickeln und konsequent umsetzen? Die Landeshauptstadt München plant ja gerade eine Reform, die durchaus als Vorbild für eine weitere Verbesserung des Baumschutzes dienen kann.
Ich befürworte eine Weiterentwicklung mit klareren Regeln, besserer Kontrolle und Ausgleichsmaßnahmen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Gröbenzell bereits eine sehr gute Baumschutzverordnung hat, die auch durch die Gemeindeverwaltung so mitgetragen und kontrolliert wird. München beispielsweise den Stammumfang von 80cm auf 60cm reduziert, was Gröbenzell bereits hat.
15. Welche Schritte wollen Sie zur Renaturierung der Bäche und Gräben in Gröbenzell unternehmen, um Hochwasserschutz und Biodiversität zu verbessern?
Ich unterstütze naturnahe Umgestaltungen, wo immer möglich. Entsiegelung, Rückhalteräume, ökologische Aufwertung wären hier die Schwerpunkte. All diese Maßnahmen müssen aber im Einklang mit Hochwasserschutz und Grundstücksrechten vereinbar sein. Gerade die Entwässerungsgräben sind zur Entwässerung angelegt. Diese gilt es auch so zu pflegen. Zum Thema Hochwasserschutz und Gröbenbach gibt es laufende interkommunale Planungen. An diesen will ich mich mit Gröbenzell weiterhin beteiligen.
16. Wir hatten in den 2000er Jahren einen Naturlehrpfad in dem Wäldchen hinter der Gröbenbachschule. Da Gröbenzell nicht über viele naturnahe Gebiete verfügt, wäre ein neuer Naturlehrpfad eine gute Lösung. Wie stehen Sie dazu?
Ich stehe einem neuen Naturlehrpfad sehr positiv gegenüber, besonders in Kooperation mit Schulen, Vereinen und dem Bund Naturschutz. Umweltbildung vor Ort ist ein großer Gewinn. Vielleicht wäre es auch möglich den Gartenbauverein als örtlichen Verein mit in diese Thematik einzubeziehen. Jahrzehnte lang war er der treibende Verein für unser heutiges Gröbenzell. Für einen Naturlehrpfad sind immer die Eigentumsrechte an den jeweilig geplanten Grundstücken zu klären.
Vorstellbar wäre ein Naturlehrpfad als alternative z.b. entlang des Gröbenbachs von Bernard-Rössner-Schule bis zur Gröbenbachschule.
17. Soll die Gemeinde den Flächenverbrauch aktiv begrenzen, etwa durch ein kommunales Entsiegelungsprogramm?
Ich befürworte ein kommunales Entsiegelungs- und Begrünungsprogramm. Dazu hat die Bayerische Staatsregierung eine Förderprogramm zur Flächenentsiegelung bereits 2019 herausgegeben. Voraussetzung sind: Vorliegen eines städtebaulichen Entwicklungskonzepts oder eines vergleichbaren Planungskonzepts und kein Beginn der Maßnahme vor Bewilligung. Dafür bekommt die Gemeinde eine „bayerische Entsiegelungsprämie“.
Auch gibt es bereits ein Entsiegelungsprogramm für die Bürger. Das sollte natürlich fortgesetzt werden, evtl kann man den Topf erhöhen, hängt natürlich von den Finanzen ab…
18. Wie wollen Sie die Abfallvermeidung in Gröbenzell fördern (z. B. Mehrwegangebote, Repair-Cafés, Unverpackt-Konzepte, vermehrte Aufklärung)?
Durch die:
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- Unterstützung von Repair-Cafés
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- Mehrweg- und Unverpackt-Initiativen
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- gezielte Öffentlichkeitsarbeit
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- Vorbildfunktion der Gemeinde
Beispiel:
„Repair-Cafés in Gröbenzell zeigen, wie Reparieren statt Wegwerfen ganz konkret funktioniert.“
19. Wie wollen Sie Kinder und Jugendliche stärker in Natur- und Umweltbildung einbinden (z. B. Naturlehrpfad, Grünes Klassenzimmer, Kooperation mit Schulen)?
Ich möchte Umweltbildung stärken durch:
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- Kooperationen mit Schulen und Kitas (z.B. bei Wandertagen an Schulen – hier könnte der Bund Naturschutz und ein Naturlehrpfad eine mögliche Lösung sein)
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- Naturprojekte (im Klassenrahmen auf Schul- oder Gemeindegelände z.B. Blumenwiese, etc.)
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- Beteiligung Jugendlicher an konkreten Umweltmaßnahmen (Unter Beteiligung JBS Impuls, aber auch Schulen und Jugendbeirat)
Auch in unseren Kitas wird wert auf Umweltbildung gelegt, z.B. was wächst bei uns, Hochbeete in den Kitas, Bezug zu gesunder Ernährung usw…
Kooperationen gibts bereits mit ortsansässiger Imkerin 😉 oder auch soweit ich weiß mit dem Bund Naturschutz
Nicht zu vergessen: das Gröbenzeller Gymnasium ist Klimaschule und lebt das auch mit diversen Projekten im Schulalltag und in AGs.
20. Wie wollen Sie Gröbenzell als Fairtrade-Gemeinde weiterentwickeln?
Ich will den Fairtrade-Gedanken weiter ausbauen. Auch weiß ich, dass die Politik / Gemeinde nur einen Teil dazu beitragen kann. Hier geht es auch um unsere Bürger und Wirtschaft. Es sollen mehr faire Produkte, stärkere Vernetzung mit Handel und Vereinen, mehr Öffentlichkeitsarbeit eingebracht werden.
21. Wie stellen Sie sich eine stärkere Bürgerbeteiligung in Umweltfragen vor (z. B. digitale Beteiligung, Bürgerwerkstätten)?
Ich setze auf frühzeitige Beteiligung. Bürgerwerkstätten dienen nur zum Teil und leider sind meist immer dieselben Personen anwesend. Digitale Beteiligungsformate sind wohl künftig die bessere alternative. Hier setze ich auf klare Nutzung der digitalen Medien wie auch sozialen Medien (Facebook / Instagram) durch die Gemeinde. Nur so erreichen wir einen Querschnitt der Bevölkerung und erhalten damit auch eine repräsentative Meinung.
22. Befürworten Sie den Einsatz von Bio- und regionalen Lebensmitteln in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen?
Ich befürworte einen höheren Anteil regionaler und biologischer Produkte in Kitas, Schulen und gemeindlichen Einrichtungen. All das auch hier unter Berücksichtigung von Kosten, der Einbeziehung der Eltern und des Elternbeirates und Versorgungssicherheit zum Wohle unserer Kinder.
Natürlich ist gesunde Ernährung in den Kitas und Nachmittagsbetreuung zu befürworten. Ich persönlich halte regional für wichtiger als Bio….
Prinzipiell sind die Vorgaben bei Kinderessen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung eindeutig und da kommt auch keiner drum rum, die Frage ist einfach, wieviel ist man bereit, für vernünftiges Essen auszugeben.
Beispiel:
„Regionale Produkte in Kitas / Schulen stärken die heimische Landwirtschaft und sorgen für kurze Lieferwege.“

